Vorwort: Eigentlich war das angekündigte Thema „Toxische Menschen“. Da meine Helferin bei dem Thema jedoch kurzfristig verreist ist und ich die Erinnerungen an den CSD Norderstedt aufschreiben möchte so lange ich sie noch so frisch im Gedächtnis habe, verschiebe ich das Thema noch etwas.
Ab 13:30 sollte es auf dem Platz vor dem Rathaus in Norderstedt losgehen. Zwar war unsere Anreise schon etwas weiter, und wir standen zwischenzeitlich in einem wirklich dichtem Stau der uns vermuten lies zu spät zu kommen, doch waren wir noch rechtzeitig da und hatten sogar einen Parkplatz direkt unter dem Treffpunkt. Schon angekündigt war das Wetter an dem Tag gemischt. Zunächst bewölkt mit etwas Sonne, aber der Regen war angekündigt. Dennoch kamen insgesamt etwa 500 Teilnehmer:innen zusammen um zu demonstrieren. Unter dem Motto „Geeint für Vielfalt.“ trotzten wir Wind und Wetter.
Es ist wichtig Präsenz zu zeigen. Es ist wichtig auf die Straße zu gehen und für seine Überzeugungen und Rechte einzustehen. Genau das hat Norderstedt, gemeinsam mit Hinzugereisten Menschen, diesen Samstag getan.
Was mich zum Teil manchmal stört ist die Tatsache, das einige den CSD für eine große Party halten. Ja, wir haben Musik, lachen und tanzen. Und ja. Wir feiern auch. Wir feiern was wir erreicht haben, unsere Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Wir sind laut und bunt. Auch das gehört dazu. Diese Fröhlichkeit, Offenheit und Toleranz ist etwas das uns auszeichnet. Etwas das wir gern zeigen und teilen möchten.
Es ist leicht in einer guten Sache etwas schlimmes zu sehen…
Eigentlich ist es aber noch einfacher die Hand die einem gereicht wird zu ergreifen. Du musst es nur zulassen und den Mut aufbringen sie zu ergreifen.
Die Menschen nehmen aus den verschiedensten Gründen am CSD teil. Aber letztlich steht am Anfang immer ein Mensch.
Für mich ist ein wichtiger Punkt beim CSD das Treffen mit anderen Menschen. Alte und neue Freunde. Sowohl aus der Queeren Community, als auch andere. Ich mag es einfach Menschen eine Freude zu bereiten indem ich ihnen Sticker schenke, mit ihnen Fotos mache, mit ihnen rede und sie kennenlerne.
Dieses mal jedoch war mein persönlicher Höhepunkt die Reden von Danny Clausen-Holm und Rasmus Andresen, die wegen des starken Regens der einsetzte in die Rathauspassage verlegt wurde. Ich muss sagen das mich Worte auf dem CSD wahrscheinlich nie so berührt haben wie an diesem Tag. Und ich kann nicht in Worte fassen was ich dabei genau empfunden habe.
Der kaum endende Applaus sprach an dieser Stelle wohl für sich. Denn es wurden die richtigen Worte mit Bedacht gesagt.
Eine sehr wichtige Sache, und für mich auch einer der Antriebe einen so langen Weg auf mich zu nehmen, waren einige negative Vorkommnisse die Danny Clausen-Holm wie folgt aufzählte.
Beim CSD in Flensburg wurde Teilnehmer:innen bespuckt, beim CSD Heide wurden Teilnehmer*innen angepöbelt, und beim CSD in Rendsburg geschlagen und mit Eiern beworfen.
Zudem sind Danny Clausen-Holm und sein Team beim Aufhängen der Plakate für die NorderPride 2023 erstmals angepöbelt und verbal attackiert worden.
Mir fehlen an dieser Stelle wirklich die Worte.
Ich muss gestehen das ich zunächst, nachdem ich über Vorfälle im letzten Jahr in Norderstedt gehört habe, überlegte den Besuch abzusagen. Bis ich einen Moment in mich gegangen bin und mir noch einmal klar wurde warum ich, warum wir auf die Straße gehen. Der CSD, jeder CSD braucht mich – braucht Dich – Braucht uns alle.
Ich möchte mich für diesen schönen Tag bedanken. Bei der Organisation, bei dem ganzen Team, bei den Menschen an den Ständen, der Feuerwehr, der Polizei, und allen Teilnehmenden und allen helfenden Händen. Ich denke wir haben alle gemeinsam ein sehr wichtiges Zeichen gesetzt, und ich freue mich auf den CSD Norderstedt 2024!
