Selbstbestimmung jetzt! Verbündet gegen Trans*feindlichkeit
Das war das Motto des diesjährigen Christopher-Street-Day am 05.08.2023 in Hamburg.
Der CSD Hamburg stand schon länger auf meiner Liste. Die Berichte über die Übergriffe im letzten Jahr haben mich schon etwas nachdenklich gemacht, das gebe ich offen zu. Aber so etwas passiert, leider muss man sagen, tagtäglich. Überall und jederzeit. Nicht nur auf einem CSD. Und meine Unsicherheit diesbezüglich verflog mit einem mal als es Klick machte und mir der Satz „Jetzt erst recht!“ durch den Kopf ging. Genau deswegen, wegen dieser Unsicherheit oder Angst die sich wie ein Nebel in meinem Kopf festgesetzt hatte musste ich auf jeden Fall dort hin. Und nicht leise, sondern laut, bunt und stolz durch die Straße gehen. Gemeinsam, Hand in Hand mit allen die einfach nur sie selbst, und ganz Mensch sein wollen.
Meine Unsicherheit war mit einem mal gänzlich verflogen.
Bepackt mit hunderten von Stickern und meiner geliebten Human-Flagge machten wir uns schon um 9.00 auf den Weg nach Hamburg. Ich war mir nicht sicher wie wir durchkommen würden und hatte daher genug Zeit eingeplant. Tatsächlich hatten wir nahezu keinen Stau und waren noch vor 11.00 in Hamburg.
Dort wollten wir uns mit ein paar Freunden treffen. Mit Menschen die Ich erst durch die CSDs kennengelernt habe, und die ich als meine Freunde schon jetzt auf keinen Fall mehr missen möchte.
Der Treffpunkt, und auch Start der Parade, war durch die immer lauter werdende Musik gut zu finden. Zwischendurch hingen wir uns an ein paar Regenbogenfahnen schwenkenden Menschen an um unseren Weg zu finden. Und dann wurde es laut, und bunt.
Ich mag die etwas kleineren CSDs ja sehr gerne. Aber sie sind gänzlich anders als Hamburg. Während auf Veranstaltungen wie Norderstedt oder Emden für mein Empfinden alles sehr viel emotionaler und persönlicher ist, vibriert Hamburg nur so vor Energie, Stolz und Freude. Wir fanden noch gerade rechtzeitig zueinander bevor der Zug losging. Dachte ich zunächst. Wie konnte ich nur davon ausgehen das eine CSD-Parade pünktlich beginnt. Dafür ist das ganze denke ich zu komplex und es gibt zu viel für die Veranstalter zu beachten. Wir vertrieben uns die Zeit in der Menge mit Musik, Albernheiten und wir unterhielten uns, was auch der Grund für meine Heiserkeit am Tag darauf war. Aber mein neuer Freund Maximilian und Ich hatten uns so viel zu erzählen und entdeckten so viele schöne Gemeinsamkeiten das wir kaum aufhören konnten uns gegen die Soundsysteme der Trucks zu unterhalten.
Da wir nicht mehr länger auf einer Stelle warten wollten kämpften wir uns durch die Menge, gut 300 Meter weiter bis zu einem anderen Treffpunkt an dem wir unter anderem den Veranstalter vom CSD Norderstedt trafen, bei dem ich mich noch einmal für die tolle Veranstaltung und die wirklich emotionale und wunderbare Rede in Norderstedt bedanken konnte.
Und dann ging es endlich los und alles begann sich zu bewegen.
Das war dann auch langsam der Moment in dem Maximilians Augen anfingen zu leuchten. Denn er ist Fotograf, und war ab diesem Zeitpunkt Feuer und Flamme für dieses Event. Wir verabschiedeten uns erstmal voneinander in dem Wissen das wir uns ja schon nächstes Wochenende wiedersehen und mischten uns in die Menge.
Ich bin noch immer total überrascht, wie viele bekannte Gesichter Ich auf einer Veranstaltung mit 200.000 Teilnehmer*innen getroffen habe. Und ich bin glücklich so viele neue, liebe Menschen kennengelernt zu haben. Ich konnte wie auf kaum einem CSD zuvor mit anderen in Kontakt treten, und schaffte kaum ein paar Meter da entdeckte ich Menschen die ich mit Stickern beschenken konnte, die knuddeln und Selfies machen wollten und die ich zum lachen und tanzen animieren konnte. Der Ausdruck „Wie ein Fisch im Wasser“ war hier für mich schon irgendwie mehr als zutreffend. Meine Begleiter verlor ich beinahe ständig aus den Augen weil ich überall aus der Menge gezogen wurde für Gespräche und Schabernack mit allen möglichen Leuten. Die Energie dieses CSD hat mich beinahe emotional überwältigt, und kein Ausdruck wäre passender als ein Gefühl von Euphorie.
Ich glaube man merkt beim lesen dieses Beitrags das es mir dieses mal sehr viel schwerer fällt alles in die richtigen Worte zu fassen. Deswegen möchte ich auch an dieser Stelle zum Ende kommen. In dem Wissen das ich auch nächstes Jahr wieder beim CSD in Hamburg, dieses mal am 03.08.2024, dabei sein werde. Mit jeder Menge guter Laune, einem dicken Haufen Stickern im Gepäck und meinen typischen Regenbogentränen im Gesicht.
Ich hoffe wir sehen uns dort! =)
Ich möchte abschließend noch zwei andere Themen hinten anhängen die mich wahnsinnig emotional und extrem wütend, aber auch traurig gemacht haben.
Zum einen geht es darum das der dykemarchruhr eine Strafanzeige auf dem CSD Essen bekommen hat. Ich bin bei der Sache einfach nur wütend und völlig sprachlos. Schaut es euch am besten selber einmal an.
Die andere Sache ist, das der homosexuelle Tänzer O’Shae Sibley im Alter von 28 Jahren auf einer Tankstelle in Brooklyn ermordet wurde, weil er Voguing zu Beyoncé tanzte. Nachdem er aufgefordert wurde dies zu unterlassen, homophobe Beleidigungen folgten und er sich dies nicht gefallen lassen wollte und die Personen zur Rede stellte, wurde ihm mit einem Messer von einem, meinen Informationen nach 17 Jährigen, in die Brust gestochen.
O’Shae Sibley verstarb noch am Tatort.
Er wurde ermordet weil er getanzt hat. Ich würde gern in Worte fassen was ich bei dem Gedanken daran empfinde, kann es jedoch nicht. Und ich denke daran was alles passieren könnte…
