Hinter mir liegen zwei der ereignisreichsten Tage dieses Jahres. Das ich die wunderbare Stadt Lübeck sehr erschöpft und mit einem fantastischen Gefühl verlasse ist den vielen wunderbaren Menschen dort zu verdanken.

Die Lübeck Pride war der erste CSD dieses Jahr für den Ich einen längeren Aufenthalt eingeplant hatte. Daher sind wir bereits am Freitag nach der Arbeit angereist und haben uns vor Ort mit meinem Freund Maximilian zum Essen getroffen bevor wir auf dem Marktplatz gingen, auf dem am nächsten Tag der CSD 2023 offiziell gestartet wurde.
Schon der Freitagabend hat mich wahnsinnig begeistert und ich habe getanzt, mitgesungen und gelacht obwohl ich vom Tag und der langen Fahrt ziemlich erschöpft war. Die Atmosphäre, die Musik, die Beleuchtung und vor allem die Menschen ließen kaum eine andere Wahl als in die Stimmung einzutauchen und mitzumachen. „Was für ein gelungener Auftakt für einen CSD.“ dachte ich noch. Und so feierten wir einfach trotz des bevorstehenden, anstrengenden Tages weiter bis die Band „Part of the Art“ und der Moderator Ricardo M. uns in die wohlverdiente gute Nacht schickten.

bleibMUTIG
Das war das Motto der Lübeck Pride 2023. Mit diesem Mut im Herzen machten wir uns am Morgen, ( nachdem wir uns knapp 3 Stunden vorbereitet haben ) auf zum Marktplatz wo wir auch schon von einer gewaltigen Stimmung, viel Musik und vielen netten Menschen empfangen wurden.
Inzwischen wundert es mich auch gar nicht mehr so viele Bekannte Gesichter zu sehen, obwohl die Veranstaltungen teils schon viele Kilometer auseinander liegen. Aber ich freue mich über jede einzelne alte und neue Bekanntschaft und habe, so denke ich, auch wieder viele neue Freunde gewonnen die ich hoffentlich bald wiedersehen werde.

Nach der wirklich schönen Eröffnungsrede setzte sich der Zug, begleitet von einer riesigen Regenbogenflagge, in Bewegung um sich ein Stückchen weiter mit den Fahrzeugen zu treffen. An dieser Stelle muss ich einfach nochmal erwähnen das die Organisation des ganzen einfach hervorragend, stimmig und gut durchdacht war.
Erst eine Woche zuvor war ich beim CSD in Hamburg mit knapp einer viertel Million Teilnehmern. Lübeck stand dem mit den gewaltigen Emotionen und einem bunten Feuerwerk aus Vielfältigkeit mit seinen etwa 2.200 Teilnehmern in nichts nach. Vom ersten Meter der schönen Strecke durch die Stadt an hatte ich die Möglichkeit mit hunderten Menschen zu interagieren. Und das ist einer der wichtigsten Aspekte beim CSD für mich. Der Kontakt mit den Menschen. Zu tanzen, sie zum lachen zu bringen und ihnen eine kleine Freude zu bereiten. Mit Stickern, mit Humor, einem lieben und ernst gemeinten Kompliment, oder alles zusammen. Denn es sind die Menschen die ein solches Ereignis und damit die Zukunft prägen. Für sich selbst, für mich und für Dich.
Und auch wenn meine Füße brennen bin ich doch auch immer ein ganz kleines bisschen traurig wenn der Zug an seinem Ziel angekommen ist.
Allerdings ging es dann auf dem Marktplatz genau so bunt, laut und gut gelaunt weiter. Das Line-Up der Veranstaltung bestand neben dem Moderator und Entertainer Ricardo M. unter anderem aus The Meastros, Ariane & Band, Daniel Schuhmacher, Bele_Poq und, last but not least Part of the Art. Letztere gefiel mir persönlich besonders gut da sie viele Songs aus meiner Jugend in einem tollen Arrangement präsentierten und mich schnell zum tanzen und mitsingen animieren konnten.
Persönliche Highlights für mich waren an diesem Tag natürlich auch die neuen Bekanntschaften, beispielsweise mit dem Fotografen Steve ( Instagram: snowyyyphotography ) welcher mich ansprach und ein wirklich wundervolles Foto von mir machte auf das ich mich sehr freue. Außerdem habe ich mich mit der „freien Ziege Lübeck“ ( Instagram: freie_ziege_luebeck ), welche auf eine wunderbare Art Menschen und Orte vorstellt, getroffen und fotografieren lassen.
Alles in allem reihe ich den CSD Lübeck, oder die Lübeck Pride bei meinen schönsten Ereignissen ein und werde im nächsten Jahr mit Sicherheit wieder dabei sein.
Abschließend gibt es jedoch noch ein paar negative Dinge die mit dem CSD selber nichts zu tun haben, jedoch im Rahmen des CSDs geschehen sind. Ich will auf die Punkte, die Personen oder ihr Verhalten überhaupt nicht explizit eingehen weil ich einfach denke das es den Aufwand nicht wert ist. Dennoch möchte ich ein paar Worte dazu verlieren.
Der Christopher-Street-Day, Pride-Day, CSD oder wie auch immer man ihn nennen möchte ist eine Demonstration und Veranstaltung für alle Menschen die daran teilnehmen, und demonstrieren möchten. Jeder mit einem Herz für Menschlichkeit darf daran teilnehmen und ist stets willkommen. Auch wenn der Ursprung dieser Veranstaltung tragisch ist haben sich die Zeit, und damit auch die Menschen verändert. Ich höre hin und wieder das Argument das diese Veranstaltung den Opfern die damals gebracht wurden nicht gerecht werden –
Dazu kann ich nur sagen das sowohl die Menschen als auch deren Sensibilität und Verhalten sich verändert und entwickelt haben. Wir leben im Jetzt, und machen uns im Zeichen dieser mutigen Menschen von damals stark für die Bedürfnisse die Heute aktuell sind.
Wir alle gehen aus ganz unterschiedlichen Motivationen zum CSD und das ist gut, richtig und unser Recht!
Wem das nicht gefällt, der ist herzlichst dazu eingeladen uns einfach zu ignorieren. Denn eine Beleidigung euerseits sagt am Ende des Tages mehr über euch aus, als über uns. Über eine queere, bunte Community voller lebensfroher Menschen die gemeinsam für das einstehen woran sie glauben.
Menschlichkeit.
