CSD Bremen 2023

Positive und negative Ereignisse im Zusammenhang mit dem CSD Bremen.

Ich betrachte den Besuch der CSDs immer gern als eine Art Arbeit oder Aufgabe die ich unheimlich gern mache. Du kennst dieses Gefühl wenn du dir innerlich sagst: „Ich muss da einfach hin!“

Der CSD in Bremen war für mich eine Art Heimspiel, denn Bremen ist meine Heimatstadt. Ich hab mich von Anfang an sehr auf den Besuch gefreut, war aber aus irgendwelchen Gründen davor sehr aufgeregt. Warum genau kann ich bis jetzt nicht sagen. Normalerweise ist da bei mir nur Vorfreude.

Ich habe den Umstand das wir nur 20 Minuten fahren genutzt um bereits um 10.00 Uhr vor Ort zu sein und das ganze von Beginn an mit zu machen. Es lohnte sich für mich wirklich dort früher aufzutauchen. Wer mich kennt weiß das mir die Menschen und die Kommunikation das Wichtigste sind, und auf diese Weise hatte ich dazu mehr als genug Möglichkeiten. So bin ich die ersten knapp 200 Sticker schon losgeworden bevor überhaupt die Stände richtig aufgebaut waren. Viele hatten eigene kleine Lautsprecher mitgemacht und spielten Musik, die Gehwege wurden mit Kreide bemalt, es wurden Selfies gemacht, getanzt und geredet. Diese von Anfang an gute Stimmung konnte auch der plötzlich einsetzende strake Regen nicht vermiesen.
Wir drängten uns alle zusammen unter die Dächer des Wilhelm-Wagenfeld-Hauses und des Gerhard-Marcks-Hauses, blieben optimistisch und warteten den Regen ab. Nach gerade einmal einer viertel Stunde hörte der Regen bereits wieder auf, das Wetter besserte sich und der Platz füllte sich mehr und mehr mit Menschen.

Der Demonstrations-Zug startete um 12.00 in Richtung Osterdeich.

Ich persönlich war mit der Route und der Richtung nicht so ganz zufrieden, aber man darf nicht vergessen das so eine Planung sehr komplex und schwierig ist und die Veranstalter diesen Plan sicherlich nicht leichtfertig und schnell vorlegen. Ich hätte ehrlich gesagt auch keine bessere Idee gehabt.

Die rund 5,2 km lange Route führte die knapp 18.000 Besucher:innen am Osterdeich entlang, durch das Viertel, über den Bahnhofsvorplatz und über die Bürgermeister-Smidt-Straße und die Obernstraße vorbei am Rathaus und den Bremer Stadtmusikanten zurück zum Start wo auf einer Bühne vor dem Theater am Goetheplatz die Abschlusskundgebung gehalten wurde.

Das ist auch meistens der Zeitpunkt an dem sich das gesamte Event etwas verkleinert. Zum einen weil einige die dazugehörigen Partys besuchen, zum anderen aber auch weil für sie der Demonstrationszug der wichtigste Part des ganzen ist. Aber auch ab diesem Zeitpunkt war noch viel los und zu entdecken. Die Wiese der Wallanlagen war gut gefüllt mit Menschen die ihren Vielfalt an diesem Tag demonstriert hatten.

An diesem Tag wurden Freundschaften geschlossen, Brücken geschlagen und wichtige Schritte gegangen.

Ich habe auf keinem CSD bisher mehr bekannte Gesichter wiedergesehen, und das war eines der Ereignisse an diesem Tag die mir ganz besonders gut gefallen haben. Mein Schatz war natürlich mit von der Partie, meine Freunde Alice und Bun sowie Fotograf und ebenfalls mein Freund Maximilian von Ringeling Photography, Lea und Xiomara von den Schwestern der perpetuellen Indulgenz und noch viele weitere. Was mich immer wieder auf den CSDs beeindruckt ist die Tatsache das so viele verschiedene Menschen für eine gemeinsame Sache auf die Straße gehen. Wo sonst treffen so unterschiedliche Welten aufeinander und bilden gemeinsam eine Front? Schulter and Schulter und Herz an Herz.


Doch wie das immer so ist gibt es gerade im Zusammenhang mit Demonstrationen nicht nur positive Nachrichten. Diese möchte ich jedoch nicht so weit ansprechen das sie die schönen Ereignisse dieses Tages überschatten, dennoch aber erwähnen weil sie einen wichtigen Grund darstellen warum wir uns am 26.08.2023 in Bremen zum CSD getroffen haben.

„Ihr habt doch schon genug Rechte! Wofür demonstriert ihr noch?“

Das ist nur einer der Kommentare wie sie im Zusammenhang mit CSDs im Internet auftauchen. Und die Antwort gibt sich der Verfasser im Prinzip bereits selber. Die queere Community ist es oftmals schon leid das immer und immer wieder erklären zu müssen.

Wir würden uns alle freuen wenn wir uns irgendwann einmal nur versammeln und Gemeinsam zu feiern, aber bis dahin tun wird das um für Menschenrechte zu kämpfen und zu demonstrieren. Und ja, das werden wir auch weiterhin tun. Ob es einigen nun gefällt, oder nicht.

Denn so lange junge Menschen aus der Straßenbahn steigen und uns Kommentare wie „Kotz!“ und „Würg!“ an den Kopf werfen, und so lange unseren Straight-Allys im Supermarkt von Halbstarken gesagt wird das sie die Regenbogenflaggen in ihrer Gegenwart abnehmen sollen, so lange und darüber hinaus werden wir diesen Kampf führen, werden wir bunt sein und werden wir laut sein.

The first Pride was a riot!