Der CSD Remscheid hatte viel buntes Programm zu bieten und hielt dabei ganz an den Grundsätzen der Demonstration, des Christopher-Street-Days fest.
Ich muss gestehen das meine Erwartungen nicht sehr groß waren. Das lag vor allem daran das ich von einem Freund erfahren habe das der CSD Elmshorn beispielsweise nicht sehr gut besucht war, das ich mir ein wenig mehr von anderen Veranstaltungen auf denen ich war erhofft hatte, und auch daran das Remscheid seinen ersten CSD feierte, eine Woche nachdem nur wenige Kilometer zuvor Wuppertal an der Reihe war.
Meine Erwartungen wurden in jedem Fall weit übertroffen.
Eingeladen zum CSD Remscheid wurden wir von Yun vom Organisationsteam bereits in Wuppertal und entschlossen uns schon am Sonntag darauf ein Hotelzimmer zu buchen und Remscheid zu besuchen. Keine Entscheidung hätte besser ausfallen können.

Als wir am 16.09.2023 den Rathausplatz bereits eine Stunde vor Beginn betraten war noch nicht viel los. Vereinzelt waren bereits, überwiegend junge Menschen, bunt gekleidet und teils mit ihrer Flagge vor Ort und unterhielten sich oder suchten noch etwas Schatten bevor es losging. Ein Bild wie ich es zunächst erwartet hatte. Dennoch ist die Anzahl der Teilnehmer nicht das Entscheidende, sondern die Überzeugung, Leidenschaft und Ernsthaftigkeit des Protestes.
Und plötzlich waren mehr als 1.000 Menschen auf dem Rathausplatz.
Wie immer rutschte ich durch die Mengen, unterhielt mich hier, traf neue und alte Bekanntschaften dort und bemerkte dabei kaum wie schnell sich der Platz um mich herum füllte. Die Stimmung war durchweg gut und die Gespräche und Kontakte für mich sehr wichtig. Ansichten und Meinungen wurden ausgetauscht. Und obwohl man nicht immer der gleichen Ansicht war, so respektierte man doch auch immer die der Person gegenüber und stand letzten Endes gemeinsam für die gleichen Rechte ein. Für Menschenrechte.
Die Eröffnungsrede von Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz hatte eine klare und unmissverständliche Botschaft. „Die Würde eines jeden einzelnen Menschen ist unantastbar!“ – Zweifellos die richtigen Worte. Zeugnis dafür war der tosende Applaus der alles auf dem Platz übertönte bevor sich der Demonstrationszug langsam in Bewegung setzte.

Insgesamt legte der Zug zwei Stopps für Reden ein. Ein Konzept das mir inzwischen wirklich gut gefällt und sowohl die Wichtigkeit als auch die Tatsache das es sich um eine Demonstration handelt sehr gut unterstreicht. Denn der CSD ist in erster Linie ein Protest. Eine Sache die bei vielen Veranstaltungen dieser Art manchmal etwas untergeht. Nicht so in Remscheid. Hier wurde dank einer ausgezeichneten Planung gezeigt zu was unsere Community fähig ist, wie ernst es uns ist und das wir nicht wanken oder weichen werden. Trotz bunter Kleidung, trotz unserem Lachen und trotz der ausgelassenen Stimmung und Musik.
Wir sind hier. Und wir werden auch hier bleiben!
Der Demonstrationszug erreichte den Stadtpark und die Menschen verteilten sich schnell auf dem Platz an den Ständen und vor der Bühne wo das Programm nahtlos weiterging. Auch hier war das Angebot sehr gut ausgewählt, vielfältig und bunt gemischt. So waren natürlich nicht nur Informationsstände vorhanden, sondern auch Aufklärung, Fantasy-Literatur und natürlich Verpflegung. Einziger kleiner Kritikpunkt an dieser Stelle; Der stark besuchte, und leider einzige Getränkestand auf dem Platz bei dem man schon etwas Wartezeit für einen Softdrink einplanen musste. Ich gehe aber mal davon aus das die Organisation schlichtweg nicht mit so einer großen Menschenmenge gerechnet hat. Denn letztlich hatte der CSD Remscheid laut Polizei insgesamt 1.300 Teilnehmer:innen.

Abschließend möchte ich sagen das Remscheid meine Erwartungen auch übertroffen hätte, wären sie noch so hoch angesetzt gewesen. An diesem Tag hätte ich nicht glücklicher und nicht stolzer auf die queere Community, auf meine Community sein können. Das sich so viele Menschen zusammenfanden haben hat mich wieder sehr bewegt und dieses Ereignis für mich zu einem einzigartigen Abschluss der Saison gemacht. Denn dies war zumindest der letzte CSD dieses Jahr für mich, und er hat sich gelohnt.
Denn diese Veranstaltung hatte im Kern fest verankert den ursprünglichen Gedanken des Christopher-Street-Days.
Wir sehen uns nächstes Jahr wieder Remscheid!
