Queere Sichtbarkeit und Vielfalt Walsrode

Kleine queere Veranstaltungen sind wichtig. Das hat man am 21.10.2023 in Walsrode gesehen. Was zuvor noch ein queerer Spaziergang war, wurde kurzerhand in eine Demonstration umgewandelt, und in sehr kurzer Zeit über social Media und WhatsApp geplant. Von einer Personengruppe die sich zum Teil vorher noch nie gesehen hat. Ein Teil dieser Gruppe durfte ich selbst sein.

Walsrode gilt eher als konservativ, die Politik vor Ort sieht sich hingegen als bunt.
Bunt genug zumindest, aufgeschlossen und tolerant. „Das kann Walsrode besser!“ dachte sich Thorsten Lampe, alias Miss Ginger, und rief zunächst die queeren Spaziergänge ins Leben. Ein wichtiger Schritt wie sich zeigte. Denn gerade in kleineren Städten und ländlicheren Gebieten ist die queere Sichtbarkeit kaum vertreten, und doch so wichtig. Nach wie vor geht es um Menschenrechte. Es geht darum sich frei entfalten zu können, ohne dabei Anfeindungen, Beleidigungen oder gar Angriffe über sich ergehen lassen zu müssen. Und es geht darum frei von Angst zu leben.

Viele Menschen innerhalb der queeren Community können dies nicht. Sie stellen sich selbst zurück und verstecken sich weil ihnen, manchmal auch unbewusst, eingeredet wird etwas an ihnen sei falsch. Diesen meist schwachen Argumenten stellen sich regelmäßig Menschen entgegen und setzen sich für ihre eigenen Rechte, und die von anderen sein.

Warum ist queere Sichtbarkeit so wichtig?

Fast alle Menschen tun sich zunächst mit Veränderungen schwer und fürchten Dinge die sie nicht kennen oder verstehen. Während in größeren Städten die Vielfalt der Menschlichkeit allgegenwärtig ist und durchaus leichter akzeptiert wird, ist es in kleineren, ländlicheren Gebieten überfordernd für die Menschen. Ein Problem das man Hand in Hand lösen könnte. Nur ist dazu, wie so oft, eben nur eine Seite zunächst bereit.

Auch der Demonstration „Queere Sichtbarkeit und Toleranz für Vielfalt“ wurde, zumindest online im Nachhinein Hass entgegengebracht. Offensichtlich ist an dieser Stelle immer wieder, das die entsprechenden Kommentatoren dieser Anfeindungen behaupten sich belästigt zu fühlen, jedoch gezielt nach diesen Inhalten suchen die sie kritisieren können. Die Argumentation ist in dem Fall meist genau so schwach wie die Artikulation. Das grundsätzliche Problem liegt demnach also woanders.

Spätestens jetzt dürfte klar sein warum queere Sichtbarkeit so wichtig ist.

Keiner von uns hat sich ausgesucht wer oder was er sie oder es ist. Warum auch sollte jemand die Wahl treffen beleidigt, diskriminiert und diskreditiert zu werden? Wer uns queeren Menschen so etwas unterstellt sollte einmal über den Tellerrand blicken und sich darüber Gedanken machen. Eventuell, und das wäre äußerst erfreulich, macht es ja einmal „Klick“.


Etwas mehr als 30 queere Menschen und Allies kamen zur Demonstration für queere Sichtbarkeit in Walsrode zusammen. Natürlich wünscht man sich immer etwas mehr Resonanz und Teilnahme als Veranstalter:In. Im Großen und Ganzen waren wir jedoch sehr zufrieden für unsere ersten Gehversuche in dieser Richtung, und freuten uns natürlich auch sehr darüber alte Bekannte wiederzusehen, und neue Freunde gewonnen zu haben. Womit wir merklich zu kämpfen hatten waren Zugausfälle, die Jahreszeit und das Wetter. Hält man sich diese Hürden vor Augen kann man dennoch von einer gelungenen Veranstaltung ausgehen. Denn die Botschaft ist die selbe. Ob nun bei 30 oder 300 Teilnehmern. Inhaltlich gleich, und ebenso gleich bedeutsam.

Pünktlich zum Beginn der etwa 2 km langen Strecke schlug das Wetter zu unseren Gunsten um. Während der erste Teil der Strecke über kleinere Fußwege führte, kamen wir im weiteren Verlauf der Strecke durch die Innenstadt vermehrt an Geschäften und Passanten vorbei. Ungeachtet der Größe einer solchen Veranstaltung sind die Blicke und Reaktionen immer sehr gemischt. Während wir von einigen schlichtweg ignoriert wurden, war der Großteil interessiert und brachte uns ein Lächeln und sogar das eine oder andere kurze Gespräch entgegen. Eine sehr schöne Reaktion über die wir uns natürlich sehr gefreut haben. Denn wie man sieht; Walsrode hat durchaus das Potential bunt zu sein. Dieses Potential wird nur eben nicht so richtig genutzt.

Das Ziel der Route war das Rathaus von Walsrode in der Lange Straße, Ecke Worth. Hier wurden, nach einer kurzen Verschnaufpause bei inzwischen strahlend blauem Himmel und Sonne, die Reden verkündet. Unter anderem hatten der „schwule Heidekönig“, Jan Manske vom CSD Celle, meiner Wenigkeit und natürlich die Initiatorin des ganzen, Miss Ginger selbst Reden vorgetragen. Die Beiträge waren emotional, polarisierend sowie kritisch gleichermaßen. Aber auch voller Dankbarkeit für die Menschen die uns, und auch andere unterstützt haben.

Was wir vermisst haben war die Anwesenheit und Teilnahme der bunten Stadt selbst, und damit ihrer offiziellen Vertreter:Innen. Diese Präsenz hätte ein wunderbares und starkes Zeichen sein können für die Toleranz und Vielfalt von Walsrode. Im nächsten Jahr sind jedoch selbstverständlich wieder alle Vertreter:Innen der Stadt herzlichst eingeladen, und wir würden uns auf einen Beitrag und eine gehisste Regenbogenflagge vor dem Rathaus sehr freuen. Denn der Regenbogen ist ein Symbol für Menschlichkeit. Unter anderem für das Leben, die Natur, Harmonie und Spiritualität.

Dinge die wir Menschen alle gemein haben.


Ich möchte mich abschließend noch einmal bedanken. Bei Miss Ginger und Bodo die ich beide sehr in mein Herz geschlossen habe. Wenn Menschen die sich erst so kurz kennen, so an einem Strang ziehen und in der Kürze etwas auf die Beine stellen, ist das ein Zeichen.

Weiter geht mein Dank an den schwulen Heidekönig Alexander Tesmer, an Jan und Marcus Manske vom CSD Celle, an alle Teilnehmer:Innen und alle die uns unterstützt haben. An GoBäng in Bremen die uns mit einem Berg Flaggen für die Veranstaltung unterstützt haben und auch sonst immer für alles und alle da sind. Und natürlich an die Stadt und die Polizei Walsrode.

Wir haben wichtiges erreicht und auf den Weg gebracht, aber auch vieles gelernt für die nächste Demonstration.


Der CSD Celle findet am 08.06.2024 statt, und wir werden dabei sein!