CSD Hannover 2024

Der Christopher-Street-Day in Hannover war ein fantastisches Ereignis das ich zugegebenermaßen etwas unterschätzt habe. Ich habe mich bereits im Vorfeld über die Besucherzahlen im Vorjahr und die Veranstaltung informiert. Allerdings rechnete ich mit diesen Informationen im Hinterkopf, und einer so großen Personenzahl nicht mit einer so persönlichen und emotionalen Pride. Ich lag falsch.

Der CSD Hannover war ein Paradebeispiel dafür, das auch in dieser Größenordnung keine Gesichter der Community verschwimmen. Denn mehr als 12.000 Teilnehmer versammelten sich am 18.05.2024 am Obernplatz in Hannover unter dem diesjährigen Motto:

„Auf dich kommt’s an! Gemeinsam für Demokratie und Menschenrechte!“

Ein sehr großes und wichtiges Motto wenn man sich die derzeitige Situation ansieht. Nicht nur speziell in eine Richtung. Denn auch innerhalb unserer bunten Community gibt es Missverständnisse und Ausgrenzungen die natürlich eigentlich nicht da sein sollten. Die eine Sache ist dabei selbstverständlich das viele Menschen, selbst wenn sie vom Prinzip her für die gleiche Sache einstehen, unterschiedlicher Meinung sind wie ihre Werte umzusetzen sind. Eine andere Sache ist aber auch das gerade im Internet Informationen nicht vollständig oder missverständlich weitergegeben werden. Von daher hier auch nochmal die bitte an jeden von euch:

Hinterfragt woher die Informationen stammen. Versucht euch selbst zu informieren und die Informationen an mehreren Stellen im Netz aus verschiedenen Blickwinkeln zu finden. Seid kritisch, und macht euch Gedanken darüber ob es wirklich sinnvoll ist Informationen weiter zu verbreiten und dadurch eine Verbesserung der Situation eintritt, oder ob es lediglich aus dem Affekt heraus passiert. Solidarität ist eine sehr wichtige Sache, dennoch muss man nicht blind mitlaufen, sondern sollte gerade aus diesem solidarischen Grund heraus ein Ruhepol für andere sein.

Dennoch ist es wichtig Schulter an Schulter zu stehen. Die Thematik ist und bleibt, wie auch immer sie ausgelegt wird und mit welchem Motto auch immer, Menschenrechte.

Was ich immer wieder schockierend finde sind die verbalen Anfeindungen, überwiegend im Internet, welche unmittelbar mit dem ersten Content einer queeren Veranstaltung einhergehen. Nun könnte man sich mit der Tatsache beruhigen das diese Kommentare in der Regel von gesichtslosen Profilen mit nur wenig oder gar keinem Inhalt kommen, und im Endeffekt so leer und nichts aussagend sind wie die Personen die sie erstellt haben. Bei direkter, verbaler Konfrontation offenbart sich dann jedoch schnell das, was zuvor bereits vermutet wurde. Wenig Substanz und viel Hass ohne ein Verständnis dafür, was hinter einer Person, einer Veranstaltung oder dem Menschenrecht steht. Wenn der Intellekt an dieser Stelle nur noch für Kotz-Smileys und Drohungen wie „Ihr werdet noch sehen!“ reicht, kann man sich die Mühe einen Dialog aufzubauen auch sparen. Denn die Meinung, Fakt hin oder her, hat sich an dieser Stelle bereits gebildet.

Was diese Anfeindungen und Beleidigungen im Internet angeht würde ich mir persönlich mehr Gegenwehr wünschen. Sowohl von den Inhabern der Profile als auch aus den eigenen Reihen. Sicherlich geht jeder anders damit um. Allerdings verstehe ich beispielsweise die Polizei nicht, die auf der einen Seite die Hand des Bürgermeisters schüttelt und unter dem Motto „Wir zeigen Flagge“ die Regenbogenflagge hisst, sich jedoch in der Kommentarspalte zurückhält und Direktnachrichten gar nicht erst liest.


Der CSD Hannover hat klar gezeigt worum es geht und was wir bisher als Community erreicht haben. Zwar wurde auch mehr als deutlich erwähnt welche wichtigen und großen Ziele noch vor uns liegen, wir befinden uns jedoch noch an einem Punkt an dem jeder von uns selbst tagtäglich zu hören oder gar zu spüren bekommt was sich ändern muss.

Um auf diese Missstände der queeren Community hinzuweisen gab es meiner Meinung nach an diesem Tag keinen besseren Weg als den, welchen der CSD Hannover gegangen ist.

Abschließend möchte ich in eigener Sache noch hinzufügen das ich an diesem Tag ganz wunderbare Menschen getroffen habe, und wirklich tolle Gespräche über alle möglichen Themen, nicht nur den Regenbogen betreffend, geführt habe. Ich habe alte und neue Freunde gesehen, Kontakte geknüpft und bin Kooperationen eingegangen auf die ich mich schon jetzt sehr freue. Das die Saison gerade erst am Anfang steht und meine Überzeugungen durch das bisher Erlebte eigentlich nur bestärkt wurden beruhigt mich, entfacht aber auch das Feuer wie jedes Jahr erneut in mir. –
Und auch wenn ich eine besondere Vorliebe für die kleinen CSD´s habe würde ich mich sehr freuen, wenn ich die Gelegenheit habe Hannover im nächsten Jahr erneut unter dem Regenbogen besuchen zu können.

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