Wer mich kennt weiß, das es mir normalerweise nicht sonderlich schwer fällt eine Meinung abzugeben und sie natürlich auch zu begründen. Dieses mal ist das jedoch nicht so einfach für mich, denn wenn Taten und Aussagen nicht zueinanderpassen bleibt einem nur das Bauchgefühl an dieser Stelle. Dem zu vertrauen ist war, so denke ich, moralisch ein guter erster Schritt, macht es aber auch nicht unbedingt leichter eine Entscheidung zu treffen.
Kern dieser Gedanken ist in diesem Fall das die Oberbürgermeisterin und CDU-Politikerin von Osnabrück, Katharina Pötter, die Schirmherrschaft des CSD Osnabrück 2024 inne hat. Das diese Tatsache äußerst kritisch gesehen wird konnte man den Buh-Rufen und lauten Trillerpfeifen entnehmen, welche ihre Rede von Anfang bis Ende überdecken sollten. Für mich zeichnete sich dort wie schon so oft zuvor ein klares Bild ab. Man versucht Veranstaltungen wie den CSD zu nutzen, um seine Hände unter dem Regenbogen zu waschen. Um sich solidarisch zu zeigen mit einer Community die Probleme und Ängste hat, für die man jedoch tapfer ein mal im Jahr eine Regenbogenflagge an das Rathaus hängt. In Anbetracht solcher Dinge wie Genderverbote, und politischer Positionierung gegen die Belange der queeren Community ist eine Partei wie die CDU vielleicht ja nicht die beste Wahl gewesen. Aber diese Entscheidung ist getroffen worden und mit dem Ergebnis muss man leben.
Fakt ist: Die queere Community hat Angst, und die queere Community ist wütend.
Dies braucht man nicht anzweifeln, nur so akzeptieren wie es nun einmal ist.

Das daraus ein gewisses Dilemma entsteht ist natürlich klar. Auf der einen Seite braucht so eine Veranstaltung auch gewisse Unterstützungen und Deckungen. Auf der anderen Seite muss man sich bewusst machen welchen Weg man bereit ist zu gehen um die Ziele zu erreichen. Eines muss man Frau Pötter jedoch lassen, und das wurde auch erwähnt:
Frau Pötter wusste genau was als Oberbürgermeisterin und CDU-Politikerin auf einem CSD auf sie zukommt, und sie hat sich dennoch in diesen starken Wind von vorne gestellt.
Dennoch gehört sie einer Partei an die auch besonders in der letzten Zeit immer wieder in Kritik geraten ist wenn es um die Rechte und Belange von queeren Menschen ging.
Vielleicht ist dies ja endlich mal ein Schritt in eine Richtung die unserer bunten Community zugute kommt. Vielleicht werden einige Entscheidungen rückgängig gemacht und man entschließt sich doch noch für das gerade zu stehen, was schief lief und nutzt die Kritik um Verbesserungen für Menschen aller Lager zu erreichen.
Ja. Vielleicht.

Fassen wir das ganze doch einmal zusammen.
Hass und Hetze, besonders gegen queere Menschen, steigen stetig an. Sowohl im Internet als auch vor der Tür. Diese Angriffe haben sich in den letzten Jahren mehr als verdoppelt (Quelle: Statista) – Gibt es mehr CSD´s und Sichtbarkeit, so gibt es auch mehr Angriffe. Die Antwort auf unser Demonstrationsrecht, ganz nebenbei einem Grundrecht, ist demnach offensichtlich Gewalt und Hetze aus einer Richtung die von Demokratie spricht.
Merkt ihr selber oder?
Was mir zudem an diesem Tag in Osnabrück aufgefallen ist war, das der Stand der Polizei wie erwartet kaum besucht war. Polizei auf einem CSD ist nach wie vor noch immer ein Thema das extrem stark polarisiert. Das wurde auch schnell klar wenn man einmal den Blick auf die großen Banner warf, welche unter anderem Sätze wie „No Cops at Pride!“ trugen. Wen wundert das wenn man Berichte der vergangenen Veranstaltungen liest und berücksichtigt, wie der CSD entstanden ist.
Was #WirzeigenFlagge angeht…
Nun viele Fragen und Kommentare an teilnehmenden Politiker:Innen und die Polizei bleiben unbeantwortet. Auf Kritik geht man häufig gar nicht ein. Es wäre schön zu sehen wenn diese Accounts auch in ihrer Kommentarspalte aufräumen und klar Stellung beziehen. Denn nach der Aussage „Wir stehen hinter euch“ kommt die eigentliche Arbeit. Das hätte ich beispielsweise der Polizei in Hannover letzte Woche gern mitgeteilt nach dem letzten CSD, diese nimmt jedoch keine Direktnachrichten auf Instagram, dort wo eben aufgeräumt werden müsste, entgegen.
Mir persönlich stellt sich in diesen Augenblicken immer die Frage wie sicher ich mich auf so einer Veranstaltung fühlen kann, und wie ich geschützt werde wenn einfache Fragen bereits übergangen, und zu Kritik kein Feedback gegeben wird.


Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.