CSD Rendsburg 2024

Was macht einen CSD zu einem CSD?
Diese Frage lässt sich natürlich nicht so allgemein beantworten. Jedoch hat jeder und jede die ganz eigene Vorstellung einer solchen Veranstaltung. So habe auch ich meine Ansicht darüber, was ein perfekter Tag auf einem gelungenen CSD ist.

Aber spulen wir zunächst einmal zurück zum Anfang.

Um 10 Uhr morgens begann das Programm des CSD Rendsburg auf dem Stadtseegelände.
„10 Jahre Rendsburger Regenbogengruppe, 30 Jahre Streichung des §175 und 825 Jahre Stadt Rendsburg.“ – Dies war das Motto, oder sagen wir in Anbetracht der Länge, der Leitsatz des CSD Rendsburg.

Rendsburg ist bunt, divers und vielfältig!

sagt Stadtpräsident Thomas Krabbes (CDU) zur Eröffnung, und legt dabei eine besondere Betonung auf die Offenheit und Toleranz die Rendsburg zu dem gemacht hat was es heute ist. Eine Stadt die als Leitkultur offene Pforten für Menschen jeglicher Herkunft und Glaubensrichtung, einfach gesagt für jeden Menschen hat. „Rendsburg als Toleranzstadt ist kein Schnack“ fährt er fort.

Im letzten Jahr gab es Übergriffe auf Teilnehmer des CSD´s. Diese wurden mit Eiern beworfen und sogar geschlagen. Ein Ereignis das nicht nur an diesem Tag scharf verurteilt wurde und das man dieses Jahr auf jeden Fall vermeiden wollte. Daher wurde das Polizeiaufgebot etwas verstärkt, und die Anzahl der Streifen erhöht. Mit Erfolg wie es mir scheint, denn zumindest im Rahmen der Veranstaltung konnte ich keine Ausschreitung in irgendeiner Form ausmachen. Etwas schade fand ich das wir außerhalb des Geländes auf dem Weg in Richtung Hotel angehupt wurden, und man uns den Mittelfinger zeigte. Dies ist allerdings keine sonderlich große Überraschung bei einer Generation von Menschen, die nicht in der Lage ist Dinge verbal zu vermitteln, da sind keine Argumentation vorbringen können. Ich behaupte mal das wir als queere Community für diese Art von Menschen eher Mitleid als Wut empfinden. Also sei es drum.

Wenden wir uns daher lieber den positiven Ereignissen zu, die diesen CSD zu einer außergewöhnlichen Veranstaltung, und meiner Meinung nach zu einem der schönsten CSD´s gemacht haben.

Kleine CSD´s haben immer einen besonderen Charakter. Natürlich muss die Grundidee einer solchen Demonstration in erster Linie im Vordergrund stehen. Und besonders die Christopher-Street-Days sind von der nicht-queeren Gesellschaft eher als große, bunte und vor allem unnötige Party abgestempelt. Und genau hier haben wir schon eines der grundsätzlichen Probleme und die Ursache dafür, das es den CSD geben muss.

Wir sind eine politische Bewegung und nutzen an diesen Tagen unser Demonstrationsrecht. Und nur weil wir dabei, entschuldigt den Ausdruck, keinen Stock im Arsch haben, sondern bunt und mit Musik durch die Straßen gehen bedeutet das nicht, das uns die Sache nicht ernst ist. Auch wenn ich innerlich langsam müde bin den Menschen zu erklären was wir machen und warum wir das müssen, werde ich es trotzdem weiter tun. Das ist der Grund warum wir uns nicht verstecken, warum wir Flagge zeigen und warum wir für unsere Rechte einstehen. Wenn ihr das verstanden habt, dann könnt ihr weiter von Demokratie sprechen.

Gegen den CSD zu sein bedeutet sich gegen Menschenrechte auszusprechen.


Viele Menschen, Vereinigungen und Gruppen waren verantwortlich für das Gelingen dieser wunderbaren Veranstaltung. Mit Metus, Hexe und deren Team, sowie dem PowerPack, dem LSVD, Pro Familia und dem HAKI e.V. seien nur einige erwähnt die an diesem Tag allen Interessierten mit Rat und Tat zu Seite standen und allen Teilnehmenden, aufgrund der Ereignisse des letztes Jahres, ihren Stand zusätzlich zum Safespace anboten.

Um sich zu vernetzen, und ich denke in der jetzigen Zeit ist für uns queere Menschen kaum etwas wichtiger, sind die kleinen Veranstaltungen unbezahlbar. Der Rendsburger CSD zählt für mich damit, so wie beispielsweise auch Wilhelmshaven, Remscheid oder die Bi+ Pride zu den Events die sich von der Kommerzialisierung entfernen, und den Schwerpunkt sehr stark auf die einzelnen Menschen legt.

Wir brauchen keine Massen an Trucks, vollgehauen mit Lametta und DJ´s, geschmückt mit Sponsoren-Plakaten und der Möglichkeit ein Ticket zu erwerben mit dem man auf den Fahrzeugen mitfahren kann. –
Was wir brauchen sind Menschen mit Überzeugung und Leidenschaft die allen auf Augenhöhe begegnen, sich für den anderen Zeit nehmen und Seite an Seite auf der Straße gehen. Wir brauchen Menschen die Courage haben und füreinander einstehen. Menschen die ihre Flagge, welche das auch immer sein mag, mit Stolz tragen und zeigen.

Trans*Aktivistin und sehr lieber Mensch Sophie steht mit Leidenschaft für die Rechte queerer Menschen ein.

Moderiert und auch musikalisch unterstützt wurde der Tag von den in der queeren Community bekannten Fab-Sisters, die mit ihrer liebenswerten frechen und schlagfertigen Art durch das Programm führten. Außerdem sorgte die intergalaktische Band Clash Clash Bang Bang mit ihrem Auftritt für „perfect sound from the top to the ground“ und bereicherte uns Erdlinge mit interstellarem Elektrosound.
Weiter stand Micha Knierim auf der Bühne und verzauberte das Publikum mit einem wunderbaren Repertoire von Songs zum mitsingen für alle Generationen auf der Veranstaltung. Damit niemand hungern musste gab es die leckersten Pizzen die ich je gegessen habe von Kalle und Soraya. Zwei wahnsinnig sympathische Menschen mit denen ich noch eine gute Stunde gesprochen habe nachdem auf dem Platz nichts mehr stand außer der Hauptbühne.

Clash Clash Bang Bang

Das ist es! Das ist das Herz eines CSD´s wie es sein sollte!

Du möchtest einen CSD besuchen? Vielleicht deinen ersten CSD?
Natürlich sind alle diese Veranstaltungen sehr wichtig, und es sollte allein dir überlassen sein welche Veranstaltung du besuchst und aus welcher Motivation heraus. Der CSD Rendsburg ist jedoch eine ganz klare Empfehlung von mir, und ich werde ihn mit Sicherheit im nächsten Jahr wieder besuchen, unterstützen und dort für unsere Rechte, und auch für deine, einstehen.

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