Vorwort:
In letzter Zeit war es so ruhig bei mir weil ich neben den CSD´s, die ja nun erstmal vorbei sind, eine ganze Menge mit anderen Projekten um die Ohren habe. Dennoch geht es natürlich auch im Herbst und Winter weiter mit Themen, wann immer ich es schaffe mir die Zeit dafür zu nehmen. Nun stehen aber vor allem auch Freundschaften und etwas Urlaub und Selfcare im Vordergrund.
Dieser Beitrag wird etwas ganz besonderes, denn es ist ein Gastbeitrag eines lieben Menschen, der ihn mir freundlicherweise zur Veröffentlichung überlassen hat. Die verfassende Person hat diese Rede für den CSD in Vechta geschrieben und möchte anonym bleiben. Die Geschichte dahinter ist meiner Meinung nach aus der Perspektive ein wenig tragisch und ernst. Denn in was für einer Gesellschaft leben wir inzwischen, in der sich Menschen fürchten ihre Meinung freu zu äußern auf einer Veranstaltung die genau dafür einsteht?
Daher ist es mir auch eine besondere Freude diesen Beitrag veröffentlichen zu dürfen. In der Hoffnung das er möglichst viele Menschen erreicht, und zum nachdenken anregt.
Hallo Menschen,
ich bin … und spreche heute für meinen Freund, der sich aufgrund der
aktuellen Lage leider nicht traut, selbst hier zu sein. Er fühlt sich nicht
sicher genug, öffentlich aufzutreten, aus Angst von Nazis erkannt und
angegriffen zu werden. Diese Angst ist kein persönliches Versagen,
sondern das Versagen unserer Gesellschaft und des Staates.
Der CSD ist vor allem ein Protest für die Rechte von Menschen. Es ist ein
Protest für Menschen Rechte
Wir kämpfen für z.B. das Selbstbestimmungsgesetz und für mehr
Gleichheit in unserer Gesellschaft. Gleichzeitig feiern wir uns selbst – weil
wir es verdienen Orte zu haben, an denen wir uns sicher und wohl fühlen
können. Es braucht aber mehr weil wir grade erst am Anfang sind, die
Rechte von queren Menschen sollten einen besseren Schutz bekommen
und mit ins Grundgesetz aufgenommen werden.
Es kann nicht sein, dass unser Schutz von dem Willen der jeweiligen
Regierung abhängig ist. Unser Schutz ist ein Menschenrecht und das ist
nicht zu diskutieren. Und das bedeutet nicht Sonderrechte zu bekommen
oder etwas Besseres sein zu wollen, sondern darum unsere Existenz
gegenüber rechter Hetze verteidigen zu können.
Wir haben noch unfassbar viel zu tun. Ich meine „danke“ das die
eigentliche Selbstverständlichkeit Blut zu spenden, homosexuellen
Männern und Transmenschen seit 2017 überhaupt erlaubt wurde und erst
2023 ein halbherziger Versuch unternommen wurde die Regularien
bezogen auf Sexualität diskriminierungsfreier zu gestalten.
Wir leben leider grade in einer Zeit, die besonders hart für unsere queeren
Freund:innen, Verwandten und Mitmenschen ist. Es ist ein untragbarer
Zustand, dass Menschen, die einfach nur sie selbst sein wollen, aus Angst
vor Gewalt und Diskriminierung im Verborgenen leben müssen. Ich habe
Angst in Deutschland in einem Kaff wie Vechta heute etwas vorzutragen,
nur weil ich so bin wie ich bin und das ist ein extrem beschissenes Gefühl.
Deshalb sind Veranstaltungen wie der CSD, queere Treffen, sichere
Räume und Aufklärungsarbeit in Jugendzentren bzw. der Aktivismus und
Bewusstsein schaffen von queren Menschen so wichtig. Wir müssen uns
zeigen als queere Menschen auf die Straße gehen und für unsere Rechte
kämpfen.
Weiße hetero cis Männer mussten nie für ihre Rechte und Privilegien
einstehen, sie können nicht verstehen, wie es ist ständig mit dem Vorwurf
„zu queer“ zu sein konfrontiert zu werden. Ich bin nur ich selbst und ihr
seid nur ihr selbst.
Ich soll es tolerieren, dass in gefühlt jedem Film, jeder Serie und jedem
Musical immer nur hetero Menschen sichtbar sind? Sobald ich mir die
Fingernägel lackiere ist das uninformierten Menschenfeinden zu queer und
diese wollen das abschaffen. Das ist keine Gerechtigkeit, das ist keine
Gleichheit und keine Freiheit. In der Gesellschaft die ich mir wünsche,
sind wir einfach Menschen. Es ist egal wie ich Aussehe, welche Kleidung
ich trage, welche Identität oder Sexualität mich ausmacht.
Es ist ermüdend Menschen zu erklären auf welches Geschlecht man steht
oder welchem man sich zugehörig fühlt. Was geht euch das an? Mich juckt
auch nicht wen ihr fickt. Wieso müssen wir uns 2024 oftmals noch outen?
Leute bitte Outet euch nur wenn ihr das wollt, keiner darf euch zum outing
zwingen, keiner darf darüber entscheiden wer du bist und wen du liebst.
Die absichtlich falschen Geschichten und Vorwürfe mit denen
queerfeindliche Arschlöcher versuchen Menschen ihre Lebensart, ja sogar
ihr Leben abzusprechen gehören nicht in unsere Zeit. Ein „das war schon
immer so“ ist kein Argument.
Ich will eigentlich keine Angst haben mich so zu zeigen wie ich bin, aber selbst
die Strafverfolgung kennzeichnet queerfeindliche Übergriffe nicht.
Gewalt gegen queere Menschen wird nicht mal sichtbar gemacht in
Statistiken wie der Polizeilichen Kriminalstatistik.
Ich als queere Person habe nicht das Gefühl von Schutz und Sicherheit
durch die Gesellschaft, Staat oder Polizei. Hätte ich dieses Gefühl, dann
würde ich heute hier stehen. Wenn ich aufgrund meines Aussehens,
meines Geschlechtes und Sexualität fertig gemacht werde und es mir so
vorkommt als würden konservative Parteien diese Diskriminierung auch
noch befürworten, warum wollt ihr dann gleichzeitig Reden auf dem CSD
schwingen? Ich stelle mir die Frage wo ihr seid, wenn der CSD oder Pride
Month um ist? Wo seid ihr? Wollt ihr was ändern oder nicht?
Wenn ihr was ändern wollt, dann solltet ihr zum CSD hingehen, zuhören
und dann auch in der Gesetzgebung etwas verbessern. Nur für gute Presse
auftauchen und dann keine Konsequenzen ziehen reich nicht!
Wir fordern mehr queere Safe Spaces und mehr Präsenz in unserer Stadt.
Die Ärzte haben es schon richtig gesagt: „Es ist nicht deine Schuld, dass
die Welt ist, wie sie ist. Es wär’ nur deine Schuld, wenn sie so bleibt.“
Jetzt ist es wichtiger denn je, zu zeigen, dass wir da sind und dass wir uns
nicht unterkriegen lassen von ein paar Gewaltbereiten, die Angst vor etwas
Glitzer im Gesicht haben. Echter Wandel beginnt von unten. Lasst uns laut
sein und unseren Frust in einen Willen zur positiven Veränderung
verwandeln, um für ein besseres Miteinander zu kämpfen. Ihr alle, die
heute hier seid zeigt, dass wir zusammenstehen und dass wir uns von
denen, die uns unterdrücken wollen, nicht kleinkriegen lassen.
Wir dürfen uns selbst zelebrieren weil wir so gut sind, wie wir sind. Und
um es mit den Worten von Lance Butter zu sagen, wir lassen uns nicht von
ein paar (…) belächeln, nur weil sie es nicht verstehen.
We`re Queer and that ist undeniable!
Wir sind Queere und Allys und ich freue mich das ihr hier seid weil heute
feiern wir uns selbst um noch mehr zu zeigen das es uns gibt und das wird
keine unbedeutende Minderheit sind. Wir sind hier und sind laut.
Passt trotzdem ein bisschen auf euch auf, respektiert eure Grenzen und die
der anderen, organisiert euch und geht in Gruppen.
Cause Baby you were Born this way!
Deshalb seit heute und immer Laut und genießt den CSD!
