CSD Wilhelmshaven 2025

Wind und Wetter und Regenbögen

Bereits im letzten Jahr hatte die Stadt Wilhelmshaven einen wunderbaren Christopher Street Day veranstaltet, und das Lob, das die Organisatorinnen dafür erhielten, war mehr als gerechtfertigt. Auch wenn das Wetter in diesem Jahr eher typisch norddeutsch war, trübte das die Stimmung keineswegs. Dennoch ist mir aufgefallen, dass es weniger Besucherinnen als im Vorjahr waren und sich die Gruppe – dem Wetter geschuldet – schneller lichtete. Am Programm lag es mit Sicherheit nicht.

Wie bereits im letzten Jahr fand Bürgermeister Carsten Feist klare Worte. Er schäme sich für den Hass, der queeren Menschen im Jahr 2025 noch immer entgegenschlage, und fand persönlich sehr treffende Worte gegenüber den Angreifern. Aber lassen wir uns nicht weiter negativ beeinflussen von hasserfüllten Menschen, die ihre Gesichter verstecken und feige aus dem Internet heraus beleidigen.

In diesem Jahr ist die Zahl kleiner CSDs gefühlt stark gestiegen. In der Liste der Termine habe ich viele Orte entdeckt, die mir bisher nicht bekannt waren – und das freut mich sehr. Auf das ausgelutschte Thema „Warum müsst ihr euch überall aufdrängen?“ werde ich in diesem Jahr nicht mehr eingehen. Menschen, die es im letzten Jahr intellektuell nicht erfassen konnten, werden auch in diesem Jahr keinen evolutionären Schritt nach vorne machen. – Konzentrieren wir uns also lieber auf die Zukunft.

Hier setzen, meiner Ansicht nach, CSDs wie in Wilhelmshaven, Norderstedt, Flensburg oder auch Osnabrück an. Das sind genau die Veranstaltungen, die ich in diesem Jahr bisher besucht habe. Orte, an denen der CSD eine Demonstration ist – und nicht bloß als Party verstanden wird. Orte, an denen wir „stören“ und sichtbar sind. Denn genau das soll eine Demonstration tun: Aufmerksamkeit erregen, polarisieren, aufrütteln. Und zum Nachdenken und Verändern anregen.

Ich kenne die genauen Zahlen für den CSD Wilhelmshaven in diesem Jahr nicht, halte aber die Schätzung von knapp 2.000 Menschen für realistisch – wenn ich an die bunte Menschenmenge denke, die sich quer durch die Stadt bewegte.

Nie wieder still!

Das war das Motto der Veranstaltung in diesem Jahr. Zugegeben: kein besonders neues Motto – aber warum das Rad neu erfinden? Es ist die Essenz dessen, was uns bewegt. Der Kern der Sache, die uns antreibt – und uns zugleich manchmal Kraft raubt. Denn niemals still zu sein, erfordert eine Menge Energie.

Auch mir fehlt derzeit ein Teil dieser Kraft. Ich bin oft müde und deprimiert, weil der Kampf gegen Ideologie so anstrengend ist und Fortschritte oft kaum spürbar sind. Aber ist das wirklich so? Wir Menschen neigen dazu, das Negative stärker in den Fokus zu rücken. Tatsächlich sind schon jetzt viele wunderbare Dinge geschehen. Ich habe großartige neue Menschen kennengelernt. Menschen, die mir erzählten, dass ich sie im letzten Jahr inspiriert und ihnen Mut gemacht habe. Nichts könnte mir mehr Kraft geben als solche Worte.

Auch heute Abend, als ich hier sitze und schreibe und zunächst meine Motivation suchen musste, fallen mir plötzlich die passenden Worte ein. Ihr inspiriert mich genauso. Und dafür möchte ich euch allen danken.

Es tut mir gut, für euch da zu sein. Es tut uns Cyber Guardians gut, gebraucht zu werden. Dafür sind wir da – und dafür möchten wir auch da sein. Als Inspiration, als Schutz und als offenes Ohr.

Das Jahr hat gerade erst begonnen.

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