Warum ist die Puppy-Community so zerrüttet?

Am Ende des Artikels erkläre ich kurz und knapp ein paar Begriffe die ich im Artikel verwendet habe falls du mit ihnen nicht vertraut bist.


Warum ist die Puppy-Community so zerrüttet?

Das ist die Frage, die ich mir in den letzten Wochen und Monaten immer und immer wieder stelle. Für diejenigen, die es nicht wissen: Ich bin Teil der Puppy-Community. Ich habe meine erste Hood um 2007 herum gekauft, eine ganze Zeit lang Pupplay und Ponyplay im BDSM-Kontext, aber auch im Social-Play gemacht, Pausen eingelegt und letztlich vor Jahren wieder zum Pupplay zurückgefunden. Ich hatte zu dem Zeitpunkt gedacht, dass sich die Community seitdem wieder etwas beruhigt hat und näher zusammengerückt ist, jedoch festgestellt, dass eher das Gegenteil der Fall ist. Und das ist etwas, das mir sehr wehtut und mich vom ersten Tag zurück in die neue alte Welt begleitet hat.

Zugegeben waren die Vernetzungsmöglichkeiten um 2007 herum nicht so stark ausgeprägt wie heute. Aber wo Vernetzung entsteht, da entstehen auch Konflikte. Und ich denke, dir ist bewusst, dass Konflikte einfach grundsätzlich aus Unstimmigkeiten entstehen. Ungleichbehandlung, Neid oder auch Sehnsüchte. All das sind erstmal nur Worte für einen Kern, der weitaus tiefer sitzt und bedeutsamer ist als die Summe seiner Teile.

Mein „Wiedereinstieg“ in eine Welt, die ich bereits vorher gut kannte, erwies sich als schwierig und unangenehm. Tatsächlich war es zunächst erstmal so, dass ich mit der neuen Hood wieder ein intensives Gefühl in mir hatte, wie ich es seit Jahren innerlich wohl vermisst habe. Gefühle, die ich nicht benennen konnte, kamen wieder auf, und der Weg in den Headspace war sehr leicht für mich.

Innerlich musste ich das Pupplay sehr stark vermisst haben, ohne es zu selbst zu merken.

Doch der Wiedereinstieg in die Community war keineswegs schön. Durch Kontakte auf den CSDs kam ich schnell in eine Telegram-Gruppe für einen Teil meiner Region. Vereinzelt waren mir die Namen bereits bekannt, denn wenn man auf so vielen Veranstaltungen im Jahr ist, baut man Brücken zu vielen Inseln. Aber wurde ich oder andere dort neu erschienene Puppies herzlich willkommen geheißen? Nein. Tatsächlich wurde man dort als Neuankömmling von den meisten Mitgliedern ignoriert. So etwas wie „Starthilfe“ bekam man nicht. Weder in der Gruppe selbst noch, wenn man ansprach, dass man gerne einen Stammtisch besuchen würde. Sowas ist ziemlich weit entfernt von einem Community-Gedanken.

Letzten Endes fand man es tatsächlich sogar witzig, mir Gewalt anzudrohen. Natürlich gehe ich nicht davon aus, dass dies auch tatsächlich stattgefunden hätte, aber diese Signale gegenüber einer neuen Person in einer doch recht fragilen Community sind stark, eindeutig und falsch. Natürlich habe ich diesen Kanal recht schnell wieder verlassen. Mein Vorteil für mich an dieser Stelle war und ist, dass niemand dort wusste, wer ich bin, ich hingegen die Personen kenne.

Ist dies der neue Weg der Pupplay-Community?

Nein, ist er nicht. Zumindest nicht für diejenigen, die Pupplay ernst nehmen und es als das sehen, was es ist: Eine Sache, die Menschen etwas geben soll. Eine Sache, die das Leben bereichern, die Seele beruhigen und uns zusammenbringen soll. Letztlich hat diese Erfahrung nun dazu geführt, dass ich nicht Teil einer solchen oder anderen Gruppierung sein möchte und meinen Weg anders besser beschreiten kann. Nicht allein, aber anders.

Meine Geschichte soll an dieser Stelle auch niemandem Angst machen, sich der Community zu nähern, im Gegenteil. Vielmehr geht es darum, darauf vorbereitet zu sein, dass es überall schwarze Schafe gibt und man sich diesem Dogma nicht unterwerfen muss. Was ich dir damit sagen will, ist:

Gehe den Weg der sich für dich gut anfühlt. Das ist es, was Pupplay immer bedeuten sollte.

Inzwischen gibt es zahlreiche Wege, um in das Thema einzusteigen. WhatsApp- und Telegram-Gruppen, Foren, Websites, Instagram-Accounts und Aufklärungskanäle. Andere Optionen, sich zu vernetzen, sind, einfach auf einen CSD zu gehen und mit Puppies in Kontakt zu treten. Denn dort, und das wird mir gerade erst beim Schreiben dieser Zeilen wieder klar, fehlt die sterile Barriere des Internets. Dort bist du nicht nur ein Profilbild und etwas Text. Du bist dort ein Mensch, dem man in die Augen sehen kann und dessen Emotionen man wahrnehmen kann. Man sieht dort dein Interesse, deine Begeisterung und den Funken, der dich dazu bewegt, mehr erfahren zu wollen. Und ich denke, genau das ist es.

Der Ursprung von Pupplay liegt für mich in diesem Funken, der ein Feuer aus Emotionen entfacht.

Gerade die Ereignisse in der Community in den letzten Wochen haben vieles verändert. Dass die Gewalt gegen queere Menschen zunimmt, ist ein Teil davon, er ist jedoch nicht verantwortlich für die Reibung innerhalb der Community, die ja nun genau hier zusammenhalten sollte. Gerade die Puppy Germany Wahl hat gezeigt, dass Rivalitäten schnell zu Anfeindungen werden können, obwohl wir alle das gleiche Ziel verfolgen. Etwas mit vereinten Kräften zu bilden, das stark ist und hält. Etwas, das allem, was ihm entgegengesetzt wird, widersteht. Und ich bin mir sicher, dass das möglich ist. Denn ich weiß, wozu wir gemeinsam fähig sind, wenn wir es nur wollen.

Meine Wünsche an die Community

Ich würde mir wünschen, dass die Energie, die zurzeit oft in Anfeindungen endet, in Gemeinsamkeit investiert wird. In gegenseitige Unterstützung, wenn es darauf ankommt. Natürlich muss man nicht alles gutheißen und mögen, was jemand anderes macht. Aber ich habe gesehen, dass Puppies, die sich nicht sonderlich gut verstehen, aufeinander zugingen, als jemand Hilfe brauchte. Und das ist es! Wir können unsere Kräfte bündeln und uns gegenseitig schützen. Wir besitzen ohne weitere Mühen die Fähigkeiten, uns zu etwas Größerem zu vereinen und Gefahr von uns und anderen abzuwenden. Warum tun wir es also nicht einfach? Es liegt in deiner Pfote!

Veränderung allein zu bewirken, ist schwer, aber wir sind nicht allein und wir müssen es auch nicht sein. Manchmal genügt es, wenn jemand den ersten Schritt macht. Wenn jemand erklärt, wenn jemand hilft, wenn jemand zuhört. Wenn dieser jemand du bist oder ich … oder jedes andere schlagende Herz in der Community. Ich weiß, das klingt total kitschig, und wer weiß, vielleicht ist es das.

Aber vielleicht brauchen wir jetzt gerade die kitschigen, altmodischen Ansichten wieder zurück, die diese Community einst aufgebaut haben.


Begriffe

Hood
Die Hood ist die Hundemaske, die Pupplayer oft tragen. Sie kann helfen, sich besser in die Rolle eines Tieres hineinzuversetzen, und ist daher für viele ein sehr wichtiger Teil ihrer Art, Petplay auszuleben. Sie ist jedoch kein Muss, um Petplay zu betreiben. Viele individualisieren ihre Hood gerne mit Haarteilen, Piercings, Sicherheitsnadeln und mehr. Zudem sind Form und Farbe für viele ein Ausdruck ihrer Persönlichkeit als Puppy. Alles kann, nichts muss.

Headspace
Wer kennt es nicht? Um in einer Sache richtig aufzublühen, muss man für sie brennen. Man muss das passende Gefühl dafür entwickeln. Das Gehirn bereitet sich auf etwas vor, der Fokus verändert sich, man gleitet ab in eine andere Rolle. Das ist der Headspace. Ein Gefühl, in dem man in einer Sache voll und ganz aufgeht und sich ihr vollständig hingeben kann. Wenn du es dir nicht vorstellen kannst, denke vielleicht an eine Fahrt mit einer Achterbahn, die deine Wahrnehmung und deine Emotionswelt völlig durchschütteln kann. Ein unglaubliches, schönes Gefühl.

Wenn du Fragen zum Thema Pupplay hast, sowohl allgemein als auch zu meinen verschiedenen Puppy-Persönlichkeiten, kannst du sie mir gerne stellen.

Für allgemeine Informationen rund um das Thema Pupplay, aber auch ABDL und die allgemeine Entstehung und Entwicklung der queeren Community empfehle ich dir die Aufklärungsvideos von Kitsune Lilith.

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